25 Jahre Engagement für die Berliner Clubkultur: Wir feiern Jubiläum

Tag der Clubkultur 2022 Preisverleihung, Fotocredit: Andrea Rojas

Am 8. Mai 2001 haben Berliner Clubbetreiber*innen und Veranstalter*innen die Clubcommission Berlin e.V. gegründet, die erste Interessenvertretung dieser Art weltweit. 25 Jahre später zählen wir über 250 Mitglieder, darunter so gut wie alle namhaften Berliner Clubs und Veranstalter*innen. In den letzten zehn Jahren haben wir über 10 Millionen Euro an Clubs, Kollektive und Veranstalter*innen weitergereicht, durch den TAG DER CLUBKULTUR, Veranstaltungen wie die Europäische Clubnacht und die Förderung von Schallschutzmaßnahmen. Während der Pandemie haben wir 40 Millionen Menschen mit United We Stream erreicht. Heute sind wir die größte und einflussreichste Organisation unserer Art auf der Welt. Ein Modell, um das Berlin international beneidet wird.

Was 2001 als Reaktion auf Polizeirazzien, Verdrängung und das Verschwinden kultureller Orte entstand, hat die Wahrnehmung von Clubkultur in Berlin und weit darüber hinaus grundlegend verändert. Wir haben dafür gesorgt, dass die Clubkultur politisch, wirtschaftlich und kulturell ernst genommen wird. Direkte Wertschöpfung, Clubtourismus und die Anziehungskraft auf internationale Fachkräfte zusammen tragen jährlich rund 4,5 Milliarden Euro zur Berliner Wirtschaft bei: mehr als zwei Prozent des Berliner Bruttoinlandsprodukts.

Was vor 25 Jahren in Berlin begann, ist dabei längst kein Berliner Spezialthema mehr, sondern ein globaler Trend in der urbanen Stadtentwicklung. Laut dem aktuellen World Cities Culture Report – der umfassendsten Erhebung zur Kulturpolitik weltweit – wird die Nachtökonomie heute von 97 Prozent der befragten Städte als relevantes Politikfeld anerkannt, 59 Prozent verfügen bereits über eine eigene Nachtökonomie-Strategie. Was wir in Berlin entwickelt haben, wird heute in Städten weltweit adaptiert: vom Umgang mit Nachbarschaftskonflikten über Governance-Strukturen bis hin zu Krisenformaten, die anderswo zur Blaupause wurden.

Die Errungenschaften sprechen für sich: Wir haben den Schallschutzfonds erwirkt, der aktuell mit einem Jahresvolumen von einer Million Euro Konflikte zwischen Clubs und Nachbarschaften entschärft. In der Pandemie haben wir Soforthilfen für die Branche erstritten, sichere Open-Air-Veranstaltungen ermöglicht, Impf-Aktionen in Clubs organisiert und Aufklärung sowie Sensibilisierung geleistet. Gemeinsam mit Partner*innen haben wir United We Stream initiiert.

Aus dieser Coronazeit ging auch der TAG DER CLUBKULTUR hervor, der bis heute über 2 Millionen Euro für die Clubkultur mobilisiert hat und fester Bestandteil der Berliner Kulturlandschaft ist. In diesem Jahr findet er vom 3. bis 11. Oktober zum siebten Mal statt.

Das Berliner Abgeordnetenhaus erkannte Clubs 2020 als Kulturstätten an, der Bundestag folgte 2021 mit einem fraktionsübergreifenden Beschluss zur baurechtlichen Gleichstellung mit Theatern, Opern und Konzerthäusern. 2023 wurde im Berliner Abgeordnetenhaus das Parlamentarische Forum für Clubkultur, Kulturräume und Nachtleben gegründet. Was lange undenkbar schien, ist heute politischer Konsens. Zugleich bleibt viel zu tun. Die gesetzliche Umsetzung der baurechtlichen Reformen im Bund lässt weiter auf sich warten.

Marcel Weber, 1. Vorsitzender der Clubcommission, sagt: „25 Jahre Clubcommission bedeuten 25 Jahre Beweis, dass Veränderung möglich ist. Clubs sind heute politisch, kulturell und wirtschaftlich anerkannt. Diesen Weg setzen wir fort. Damit diese Anerkennung auch dort ankommt, wo sie gebraucht wird: auf der Straße, im Kiez, im konkreten Schutz von Orten.“

Ein Vierteljahrhundert für die Clubkultur

Hinter diesen Erfolgen stehen 25 Jahre beharrliche Arbeit. Wir waren Mitinitiatorin der LiveKomm, des Bundesverbands der Club- und Festivalkultur. Maßgeblich auf unser jahrelanges Engagement zurückzuführen ist auch die Gründung des Musicboard Berlin, das heute als zentrale Förderinstitution der Berliner Musikszene gilt. Schon hier zeigt sich ein Muster, das unsere Arbeit seit den Anfängen prägt: Strukturen schaffen, die über die einzelne Spielstätte hinaus wirken.

Wir beraten Akteur*innen aus der Clubkultur in rechtlichen, baulichen und betrieblichen Fragen, verhandeln mit Senat und Bezirken, wenn Bauprojekte Clubs bedrohen, und vermitteln bei Lärmkonflikten zwischen Clubs und Nachbarschaft. Mit der Awareness Akademie unterstützen wir seit sechs Jahren die Entwicklung diskriminierungssensibler Strukturen, mit Workshops und Netzwerktreffen seit über 13 Jahren die Free Open Air-Szene. Und wir halten eine Branche zusammen, die von queeren Bars über Kollektive bis zu Techno-Clubs reicht.

Manche dieser Werkzeuge wirken weit über die Szene hinaus. Mit dem 2015 entwickelten Clubkataster, einem Frühwarnsystem, das Clubs vor stadtplanerischen Eingriffen warnt, haben wir ein Vorbild für das 2025 vom Land Berlin gestartete Kulturkataster geschaffen.

Wo institutionelle Arbeit nicht weiterführte, sind wir auf die Straße gegangen. Wir waren Teil des Protests gegen die GEMA-Tarifreform, die 2013 viele Clubs in der Existenz bedroht hätte, wir haben uns gegen Mediaspree engagiert und gehören bis heute zum Bündnis gegen den Weiterbau der Autobahn A100, der zahlreiche Clubs und Kulturorte verdrängen würde.

Woher wir kommen, wohin wir gehen

Wir nutzen das Jahr, um die Stadtgesellschaft für die Bedeutung der Clubkultur zu sensibilisieren und uns im anstehenden Wahlkampf für deren Schutz und Weiterentwicklung stark zu machen. Über das Jahr verteilt sind Testimonials von Gründer*innen und Weggefährt*innen, Archivmaterial, Partner*innen-Dinner sowie öffentliche Veranstaltungen geplant.

Vom 3. Oktober bis zum 9. November zeigen wir gemeinsam mit Diskobabel e.V. die multimediale Ausstellung „Tanzflächen der Wiedervereinigung“, die die Rolle der Berliner Clubkultur nach 1989 als Teil der soziokulturellen Wiedervereinigung sichtbar macht. Im Mittelpunkt steht, wie kulturelle Freiräume zu Orten demokratischer Aushandlung wurden, mit besonderem Fokus auf ostdeutsche und bislang unterrepräsentierte Perspektiven.

Das weitere Jahresprogramm geben wir in den kommenden Monaten bekannt. Wir laden Berlin und alle Freund*innen der Clubkultur ein, dieses besondere Jahr gemeinsam zu feiern und mitzugestalten.

Emiko Gejic, Pressesprecherin und Vorstandsmitglied der Clubcommission, sagt: „Clubs leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, den digitale Räume nicht ersetzen können. In einer Zeit der zunehmenden Isolierung ist die Tanzfläche ein Ort der gelebten Solidarität. Wir danken der Stadt, den politischen Entscheidungsträger*innen und unseren Mitgliedern. Gemeinsam blicken wir auf 25 Jahre zurück, in denen die Szene bewiesen hat: Wir sind notwendig.“