Berlin goes Tbilisi

Seit Oktober 2024 gehen in Georgien täglich Menschen auf die Straße. Sie protestieren gegen Wahlbetrug und für demokratische Rechte. Sanktionen gegen Straßenblockaden führen dazu, dass Menschen für mehrere Tage inhaftiert werden, Proteste werden immer wieder gewaltsam aufgelöst. Ein wichtiger Teil dieser Protestbewegung kommt aus der Clubkultur.

Als die georgische Regierung Ende November 2024 die EU-Beitrittsgespräche aussetzte, reagierte auch die Clubszene: Einige der bekanntesten Clubs Tbilisis – darunter Bassiani, Khidi, Left Bank und Café Gallery – schlossen aus Solidarität ihre Türen.

Aus dem Nachtleben formierte sich Widerstand

Viele Demonstrationen werden aus der Clubkultur heraus organisiert, aus Netzwerken, die sich über Nachtleben, Musik und Gemeinschaft gebildet haben. Damit machen sich die beteiligten Menschen und Orte besonders angreifbar. Trotzdem geben sie nicht auf und leisten beeindruckenden Widerstand.

Foto: Katharin Ahrend

In Georgien ist Clubkultur zutiefst politisch und eng mit Gemeinschaft verbunden. Von Tanzflächen bei Demonstrationen über queere Underground-Clubs bis hin zu Open-Air-Festivals wird das Nachtleben zu einem Ort der Sichtbarkeit, Fürsorge und kollektiver Stärke. Gerade unter zunehmendem politischen Druck achtet die Community aufeinander und bestärkt sich in dem Protest.

Eine Delegationsreise nach Tbilisi

Im April 2025 reiste die Clubcommission im Rahmen des “International Club Exchange”-Programm nach Tbilisi. Ziel der Delegationsreise war es, die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Akteur:innen der Clubkultur in Tbilisi und Berlin zu stärken und den internationalen Austausch zu fördern. Gemeinsam mit Akteur:innen aus der Berliner Clubkultur trafen wir Künstler:innen, Aktivist:innen, Veranstalter:innen und Clubbetreibende, die die lokale Szene prägen.

Während eines gemeinsamen Austausch- und Konferenztages sprachen wir über die anhaltenden Proteste, über Repression und Widerstand, über neue Anti-LGBTQI+-Gesetze und ihre Auswirkungen, über Clubs und ihre prekären Raumfragen sowie über Festivals und die massiven Herausforderungen, mit denen sie aktuell konfrontiert sind.

Ein besonderer Fokus lag auf den starken Frauen, die die Clubkultur in Tbilisi, und auch in Berlin, mitgestalten (das gesamte Video findet ihr hier auf Youtube). Die Gespräche machten deutlich, wie sehr kulturelle Arbeit in Georgien unter Druck steht und wie widerständig und solidarisch die Szene dennoch agiert.

Das Zine

Aus diesen Begegnungen und Gesprächen ist ein Zine entstanden. Es versammelt Stimmen, Erfahrungen und Wissen der Menschen vor Ort und dokumentiert ihre Perspektiven auf Clubkultur als sozialen, politischen und kulturellen Raum. Die Beiträge zeigen, wie Kultur trotz repressiver Rahmenbedingungen weiter besteht, sich anpasst und Widerstand leistet.

Mit der Veröffentlichung des Zines möchten wir diese Perspektiven teilen und sichtbar machen. Solidarität bedeutet für uns, Räume zu öffnen, Wissen weiterzugeben und Stimmen zu verstärken.

Das vollständige Zine ist online verfügbar, eine Printversion kann ebenfalls hier bestellt werden.

Wir danken allen Beteiligten, die ihre Erfahrungen und Einschätzungen mit uns geteilt haben, insbesondere Lasha Chkhapelia, Tamar Axander, Keta Gabunia, Ann Marjanidze, Hitori Ni, Natalia Nebieridze, Zaza Panchulidze, Ani Kvirkvelia, Vakhuna Kavtaradze, Nika Japaridze, David Tsintsadze, Gacha Bakradze, Makuna Berkatsashvili und Nika Khotcholava.

Das Projekt wird gefördert im Rahmen des Programms für Internationalisierung der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, ko-finanziert von der Europäischen Union.

Außerdem möchten wir noch explizit dem Goethe Institut Georgien danken, die uns herzlich willkommen geheißen haben und uns ermöglicht haben sowohl eine Filmvorführung als auch die Podiumsdiskussion „Strong Female Leadership in the Clubscene“ bei ihnen zu veranstalten.