13.01.12
Klub der Republik muss weichen!
Eine der traditionsreichsten Locations im Herzen des Prenzlauer Bergs wird Ende Januar dicht gemacht.

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Die „PGH Linoleum und Teppichboden“ errichtete Mitte der 60er Jahre auf dem Gelände der Pappelallee 80/81 ihre Werk-, Lager- und Büroräume. Im ersten Obergeschoß dieses Vorderhauses wurde der Kultursaal des Handwerks untergebracht. Seit 2002 beherbergt dieses Gebäude den Klub der Republik (KDR), einen der letzten Clubs  im Prenzlauer Berg. Nach genau 10 Jahren, am 31.01.2012 muss der Club nun einem Neubau weichen.

Die Pappelallee ist eine der beschaulicheren Straßen im Bezirk Prenzlauer Berg. Die Touristen, die an der Eberswalder Straße aus der U-Bahn steigen, zieht es eher in Richtung Kastanienallee und Mauerpark. Im ehemaligen Ballsaal der „Produktionsgenossenschaft des Handwerks“ schwebt der Klub der Republik in einem Glaskasten über der Pappelallee. Der Zutritt erfolgt über eine Freitreppe im Hinterhof. Die Architektur, die riesigen Kugellampen an den Wänden sowie die Tapeten und Sofas stammen noch aus dem Inventar des Palastes der Republik und induzieren ostaligischen Flair. Zehn Jahre lang hat es die Bar geschafft, dem Sichtfeld der Bagger von Haussanierer und Investoren verborgen zu bleiben. Neben dem Ballhaus Ost zählt zu den letzten Reminiszenzen der einst bewegten freien Szene im Prenzlauer Berg. Damit ist nun Schluss! Im der großen Glasfront prangt nun ein Banner mit der Aufschrift „Erst wenn die letzte Eigentumswohnung gebaut, der letzte Klub abgerissen, der letzte Freiraum zerstört ist, werdet Ihr feststellen, dass der Prenzlauer Berg die Kleinstadt geworden ist, aus der Ihr mal geflohen seid“. Ein kürzlich in die Nachbarschaft gezogener Anwalt und die neuen Hauseigentümer haben mit vereinten Kräften erwirkt, dass die Betreiber des KDR nun das Gebäude räumen müssen. 

Immer wieder spricht man von einem Clubsterben in Berlin, insbesondere im Prenzlauer Berg. 2010 musste der fast 60 Jahre alte Traditionsclub „Knaack“ nach zwei Jahren juristischem Kampf aufgeben. Ende 2011 auch der Icon Club, der weltweit zu einem der besten Drum'n'Bass Clubs zählte. Zuvor zog auch der Magnet Club nach Kreuzberg. An mangelnden Gästen scheitern die Clubs nicht. Berlin verzeichnet einen Besucherrekord nach dem anderen. Lutz Leichsenring von der Clubcommission Berlin, dem Verband für Club-, Party- und Kulturereignisveranstalter in Berlin erklärt: „Mehr als ein Drittel der Gäste besuchen die Stadt wegen der lebendigen Musik- und Clubszene und sind zahlungskräftige Klientel für Hostels, Gastronomie und den Einzelhandel“. 

Meist seien es hinzugezogene Nachbarn die Ursache für reihenweise Clubschließungen der vergangenen Jahre, die mit juristischen Mitteln gegen alles vorgingen, was nicht ihrer kleinstadt-geprägten Vorstellung entspräche, so Leichsenring. Die Clubcommission berät mit ihrem Projekt ClubConsult Clubbetreiber in Sachen Immissionsschutz, neue Technologien und vermittelt Rechtsbeistand. Erste Gerichtsentscheidungen, wie im Falle der Zitadelle Spandau, haben Veranstaltern und Clubbetreibern Recht gegeben. So müssen Anwohner, die bewusst neben Kultureinrichtungen oder Clubs ziehen, mit gewissen Einschränkungen leben.