09.09.15
Fair.Kiez - Ein Pilotprojekt / Projektabschluß
Das Leben in den Berliner Kiezen ist bunt, lebendig und spannend – nicht nur für die Menschen, die hier wohnen, sondern auch für unsere Gäste.

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Doch aus einer Vielzahl unterschiedlicher Charaktere und Erwartungen ergeben sich besonders durch eine stetig steigende Besucherzahl der Hotspots verschiedene Nutzungskonflikte, vor allem rund um die Themen Lärm und Müll in den Kiezen.

Um dieser wachsenden Problematik entgegnen zu wirken, hat die Wirtschaftsförderung des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg das Projekt „Stadtverträglicher Tourismus- internationale Erfahrungen im Vergleich mit Berlin und Best Practice in Friedrichshain-Kreuzberg“ initiiert und in Auftrag gegeben.

Aufgeteilt in eine theoretische und eine praktische Phase im Zeitraum 06.10. 2014 – 31.08.2015 übernahm die Clubcommission Berlin e.V. im Auftrag des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg die Durchführung dieses Pilotprojekts. Unterstützende Projektpartner waren der Service in the City, visitBerlin sowie die DEHOGA Berlin und touristische Unternehmen des Bezirkes aus der Gastronomie-, Club- und Hotelbranche, namentlich AO Hostel, Eastern Comfort hostelboat, papaya-Restaurants und der Club Suicide Circus.

Was das Projekt in erster Linie auszeichnet und zu einem wirklich spannenden Piloten für alle Partner machte, ist der erstmalige Zusammenschluss der unterschiedlichen „Player“ zur gemeinsamen Konflikt-Analyse und anschließender Maßnahmenfindung um das Konfliktpotential in den stark vom Nachttourismus frequentierten Kiezen zu verringern.

Erstes Ziel war, in einer international ausgerichteten Vergleichsanalyse Methoden zu finden, welche auf das Verhalten der Besucherinnen und Besucher in Gebieten mit Nutzungskonflikten positiv einwirken können. Hierzu wurden nach einer Ausschreibung von „Coopolis - Planungsbüro für kooperative Stadtentwicklung“ eine Vergleichsanalyse erstellt. Insgesamt wurden 37 Maßnahmen aus 21 Städten (national u. international) erfasst und ausgewertet, die entsprechend dem gemeinsame Konsens der Partner, nicht repressiv auf die Zielgruppen bei nächtlicher Lärmbelästigung einwirken.  

Mit einem daraus gemeinsam entwickelten „best practice“ (Pilotprojekt) im Berliner Kontext, wurde in einem zweiten Schritt mit einer Pressekonferenz die FAIR.KIEZ Initiative ins Leben gerufen und als Kampagne, die sich im offenen und spielerischen Dialog hauptsächlich an die Nachtschwärmer richtet, initial gezündet. Kern der Kampagne war die Besucherinnen und Besucher der bekannten Party-Hotspots für die Bedürfnisse der Kiezbewohner zu sensibilisieren und öffentliche Aufmerksamkeit zu generieren. Die begleitenden kommunikativen Maßnahmen setzten sich zusammen aus zwei Pressekonferenzen, der Etablierung einer Wordmarke, Erstellung von Flyern, Plakaten, Aufklebern, einer Homepage und drei Video-Trailern zu den Themen Fairness, Lärm und Müll.

Das Medienecho war riesig. Von RBB, bis Arte, von TAZ bis VICE war die Kampagne mit Berichten und Interviews in allen Medien (auch international), sprich Rundfunk, Fernsehen, Tageszeitung, Magazinen und Blogs vertreten. Gesamt gab es an den Wochenenden über 10 „Einsätze“ der FAIR.KIEZ Crew bestehend aus Pantomime-Künstlern und Mediatoren/Kommunikatoren, deren Aufgabe es war dialogorientiert durch eine positive Ansprache die Besucherinnen und Besucher des Nachtlebens auf die Problematik von Lärm und Müll im Wohngebiet aufmerksam zu machen.

Das Feedback der Medien fiel, den Erwartungen entsprechend unterschiedlich aus. Von „Was soll das bringen?“ bis zu „Fabelhafte Idee!“ wechselten die Reaktionen von Skepsis bis Begeisterung. Wirklich negative Reaktionen gab es dennoch kaum. Ähnlich verhielt es sich bei den Anwohnern der bespielten Kieze und auch darüber hinaus, die sich überwiegend nicht gegen eine Partykultur in ihren Kiezen aussprachen sondern sich mehr Verständnis wünschen sowohl von den Gästen als auch den Anbietern/Betreibern und die FAIR.KIEZ Crew als positive Unterstützung hierzu wahrgenommen aber realistisch als eine von nötigen weiteren Maßnahmen betrachtet haben.

Die Besucherinnen und Besucher des Kiez-Nachtlebens äußerten sich in der großen Mehrheit sehr positiv und nahmen die Botschaft für mehr Rücksichtnahme gerne auf diesem Weg an. Schon nach dem ersten Auftreten der FAIR.KIEZ Crew, war eine hohe Wiedererkennung zu beobachten. Das Ziel einer positiven Ansprache zur Sensibilisierung für die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner kann somit im Rahmen des Pilotprojekts als gelungen betrachtet werden.

Abschließend möchten wir uns herzlich bei allen Partnern, internen und externen Mitarbeitern und Künstlern für die großartige Zusammenarbeit zum Pilotprojekt FAIR.KIEZ bedanken.

Um die Straße nicht sich selbst zu überlassen, sind auch in der Zukunft Kommunikationsmaßnahmen in geeigneten Formen gefragt. Die Clubcommission bleibt dran und  wird sich bemühen diese auch in der Zukunft zu finden und umzusetzen.

Eure Meinung ist uns wichtig! Hier geht's zur Umfrage zum Pilotprojekt FAIR.KIEZ.

 

Weitere Informationen unter:

www.fairkiez.berlin

www.facebook.com/fairkiez

 

Projektleitung: Rainer Grigutsch  rg@clubcommission.de